Bring Back V10s! - Thema der Woche

Michael Schumacher im Ferrari F2004; Quelle: Martin Lee via Flickr

Während die restliche Formel 1-Welt gerade darüber diskutiert, ob es richtig ist Liam Lawson schon beim nächsten Rennen in Japan für das RedBull-Cockpit mit Yuki Tsunoda zu tauschen, soll es hier heute um ein Grundsatzthema in der Königsklasse gehen.

Mit welchen Motoren soll in Zukunft gefahren werden?

Seit ein paar Wochen machte plötzlich ein Zitat von FIA-Präsident Mohammed Ben-Sulayem die Runde, in dem er die Möglichkeit ins Spiel brachte in Zunkunft möglicherweise wieder auf V10-Motoren umzustellen. Im Sinne der Nachhaltigkeit würden die Motoren dann mit synthetisch hergestellten E-Fuels laufen. Natürlich riefen die ganzen Benzinnasen sofort Hurra und hätten die so wunderschön schreienden Monster am liebsten schon im nächsten Jahr in den Autos. Und wie schön wäre dass, wenn man auf der Tribüne auch endlich mal wieder hören könnte, wenn der Ferrari von Lewis Hamilton vorbeikommt.
Für viele Hardcore-Fans des Sports (wozu ich mich mit 15 Jahren Fan-Sein auch zähle) sind die V10-Motoren der heilige Grahl der Formel 1. In der Zeit zwischen 1996 und 2005 erzählten u.a. Mika Häkkinen im McLaren Silberpfeil oder Fernando Alonso im Renault ihre ganz eigenen Erfolgsgeschichten. Alle Deutschen und Ferrari-Anhänger verbinden das Gekreische aber natürlich mit der goldenen Ära von 2000-2004 unseres Michaels. Diese Autos waren und sind bis heute für viele der Inbegriff von Formel 1, wenn man an die größte und erfolgreichste Rennserie der Welt denkt. Warum also nicht zurück dahin?

Ab 2026 gibt es mal wieder ein neues Reglement in der Formel 1. Die Autos sollen wieder kleiner werden und der Motor mit noch mehr elektrischer Energie ausgestattet werden. Aktuell fahren die Teams seit 2014 mit V6-Turbo-Hybridmotoren. Diese sind vor allem eins, nämlich effizient und relativ nachhaltig. Mit den neuen Regeln soll dies noch weiter ausgebaut werden und auch zu 100% auf synthetischen Kraftstoff gesetzt werden. Nun kommt aber der FIA-Präsident um die Ecke und will möglicherweise alles wieder auf links krempeln. Der Sinneswandel könnte vermutlich auch ein Versuch sein, sein bei den Fans angekratztes Image wieder etwas aufpolieren zu wollen. Schließlich feuerte er im letzten Jahr aus heiterem Himmel den F1-Rennleiter Niels Wittich und erließ für 2025 Strafen für das Fluchen von Fahrern in allen FIA-Rennserien.
Doch so einfach geht das leider nicht. Bereits seit mehreren Jahren tüfteln die kreativen und technischen Köpfe der Hersteller an den neuen Power-Units für 2026. Viel Geld ist geflossen und jetzt alles in den Müll schmeißen wäre dumm und auch im Sinne der von der Formel 1 angestrebten Nachhaltigkeit nicht gerade sinnvoll. Insbesondere Audi als neues Team für die nächste Saison wäre wahrscheinlich nicht gerade begeistert, weil man ja eben genau wegen dieser neuen Regeln für die F1 eingeschrieben hat. Auch Mercedes scheint bisher auch nicht unbedingt ein Fan von der Idee zu sein, nicht nur, weil man ihren Motor aktuell als den vermutlich Stärksten im Feld ansieht.

Dabei ist der Weg über Aggregate die mit E-Fuels laufen, was den Aufwand, die Kosten und die Emotionen für die Fans angeht der eigentlich deutlich sinnvollere. Gleichzeitig produzieren V10-Motoren nahezu dieselbe Leistung wie die hochtechnologisierten Maschinen heute. Trotzdem steht die Formel 1 ein wenig im Konflikt mit sich selbst. Als Königsklasse des Motorsports steht und stand man immer wieder für Innovation und Fortschritt. Die besten und aktuellsten Techniken gab es hier zu sehen. Das hat sich bereits in den letzten Jahren ein wenig gewandelt, als z.B. die vollelektrische Formel E das Licht der Welt erblickte oder aktuell auch die WEC oder sogar die DTM, die bereits jetzt auf komplett nachhaltigen Sprit setzen. Mit den neuen Hybrid-Motoren ab 2026 geht man zwar auch diesen Weg, bleibt sich insgesamt aber relativ treu. Jetzt sieht man plötzlich: Es geht auch anders.
Jetzt muss also irgendwie ein Kompromiss gefunden werden, damit man die neuen Motoren von 2026 nicht vollständig auf dem Müll landen. Dafür gibt es momentan wahrscheinlich drei Möglichkeiten:

1. Man verkürzt die Laufzeit des neuen Reglements von fünf auf zwei oder drei Jahre und startet schon 2028 oder 2029 mit V10-Motoren.
2. Man lässt die Motoren wie geplant bis 2031 laufen oder
3. Es wird zwei oder drei Jahre länger mit den aktuellen Power-Units gefahren. 

Am realistischsten ist zum jetzigen Zeitpunkt wohl Möglichkeit Nr.1. Ohne die Hybrid-Motoren gibt es definitiv keinen Einstieg von Audi und auch die anderen Teams wären sicher nicht erfreut, wenn hunderte Millionen Dollar einfach so ins Nichts investiert worden wären. Das politische Ringen fängt allerdings gerade erst an.

Als 2014 die momentane Motorengeneration eingeführt worden ist beschwerten sich nahezu alle Fans über den schrecklichen Staubsauger-Sound, der aus den Autos kam. Bis heute hat sich daran nicht großartig was verändert, auch wenn es mittlerweile wieder sehr laute Staubsauger geworden sind. Hinzu kamen damals zunächst auch noch die unglaublich hässlichen Fahrzeuge mit ihren langen Rüsselnasen vorne. Ein absoluter Albtraum für jeden Autoliebhaber. Zum Glück hat sich das zumindest in dieser Hinsicht deutlich verbessert. Und auch wenn ich als 21-Jähriger die große Zeit von Schumacher und den V10-Motoren nicht bewusst miterlebt habe, kann ich absolut nachvollziehen, warum man diesen Sound zurückwill. Mir persönlich gefallen die V8-Saugermotoren aus der Vettel-Ära fast noch ein Ticken besser, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ich würde mich extrem freuen, wenn die Formel 1 tatsächlich den Weg zurück einschlägt. Die Hybrid-Technik ist wunderbar, aber insbesondere der Motorsport lebt von der Emotion, die durch den Sound übertragen wird. Auch die E-Fuels sind prädestiniert für den Rennsport, einfach weil er noch nicht geeignet für den normalen Alltagsverkehr ist. 

Also liebe Formel 1, mein Appell: Bring Back V10s!

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