Ist das noch meine Formel 1?

Quelle: Mercedes-AMG Petronas F1 Team via Instagram (25.07.2026)


Genauso wie die Formel 1 am Wochenende aus der Sommerpause zurückkehrt, tue ich das auch. Ein vorerst letztes Mal geht es nach Zandvoort zur Orange-Army, auf die Heimstrecke von Max Verstappen. Deshalb gebe ich heute mal meine erste Meinung zur bisherigen Saison ab.

Die Technik muss noch überarbeitet werden
Zur neuen Saison 2026 hat sich vieles verändert. Neue Motoren, neue Autos. Mit dem neuen 50%-Anteil des Elektromotors verlagerte sich der Schwerpunkt mehr auf das Energiemanagement als auf das reine Fahren. Ich glaube wie viele andere auch, war ich sehr skeptisch dem gegenüber. Doch nach dem ersten Rennen war ich zunächst relativ positiv überrascht. Der von der Formel 1 erhoffte Effekt mit mehr Überholmanövern wurde erfüllt und gerade in den ersten Runden gab es einige Manöver, die Spaß gemacht haben beim zugucken. Dennoch blieb ein gewisses Gefühl, dass es unnatürlich wirkt, wenn jemand einfach so mit 20-50 km/h an einem anderen Auto vorbeizieht. Hinzu kommt die Gefährlichkeit, wie beim Bearman-Colapinto-Unfall in Suzuka, dass man nicht mehr schnell genug auf diesen Geschwindigkeitsunterschied reagieren kann. Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt, der ein großer Dorn im Auge ist: Das Superclipping. Im Qualifying ganz extrem, werden auf langen Geraden die Motoren kurz vor dem Ende runtergedreht um Energie zu gewinnen und verlieren dabei teilweise mehr als 50 km/h. Das Quali galt bisher immer als die Königsdisziplin, schließlich musste man das Auto in jeder Kurve und auf jeder Geraden ans absolute Limit bringen. Mit den neuen Motoren ist dies abhanden gekommen. Stattdessen ist das Ziel, sich die Energie so gut einzuteilen, dass man sie an den richtigen Stellen abruft und einem am Ende der Runde nicht die Leistung ausgeht. Das was Motorsport ausmacht, an sein persönliches und das Limit des Autos heranzukommen, wurde mit den neuen Regeln weggeworfen. Da es auch aus dem Fahrerlager viel Kritik gibt, wird das Reglement die nächsten Jahre angepasst. Ich bin sehr gespannt, was uns das so bringt.

Antonelli der neue Verstappen?
Trotz der ganzen technischen Sorgen bietet die Saison 2026 uns einen durchaus interessanten Kampf um die Weltmeisterschaft. Dabei sah das zu Beginn noch ganz anders aus. Wie von allen befürchtet, hatte Mercedes zunächst einen Vorsprung, der uneinholbar schien. Und mit dem Rennsieg von George Russell in Australien stand gefühlt auch schon der Weltmeister fest. Doch da haben wir die Rechnung ohne den jungen Italiener Kimi Antonelli gemacht. Erst feiert er in Shanghai seinen ersten Rennsieg überhaupt, nur um dann auch noch vier weitere in Folge dranzuhängen. Mit gerade einmal 19 Jahren führt er fast schon souverän die WM an und hat 50 Punkte Vorsprung auf den Zweiten, den ich auch als kleine Überraschung deklarieren würde. Lewis Hamilton scheint in diesem Jahr mit dem Ferrari endlich in Einklang gekommen zu sein und fährt konstant vorne mit. In Barcelona konnte er dann auch endlich seinen ersten Sieg in Rot feiern, was mich tatsächlich sehr gefreut hat. Der Vorsprung von Mercedes ist allerdings in den letzten Rennen mächtig geschrumpft. Erst Ferrari und nun auch McLaren in Ungarn, sind dran, wenn nicht sogar teilweise besser. Auch Max Verstappen, der inzwischen bis 2030 sicher bei Red Bull unterschrieben hat, findet langsam eine Weise, um das scheinbar schwierig zu fahrende Auto an seine Topform zu bringen. Antonelli darf sich auf gar keinen Fall ausruhen, schließlich gab es auch schon immer wieder mal Ausfälle.
Schaut man weiter nach hinten, muss ich natürlich auch auf die beiden Neulinge Audi und Cadillac eingehen. Audi hat bisher eine sehr durchschnittliche Saison. Nach den Punkten im ersten Rennen gab es eine lange Durststrecke, jedoch zeigte der Trend zuletzt wieder nach oben. Es ist sehr positiv, dass man bereits jetzt im vorderen Mittelfeld mitfährt, weshalb ich guter Dinge für die nächsten Jahre bin. Cadillac hingegen ist das erwartete Schlusslicht des Feldes. Das ist aber keine Schande, schließlich steht das Team wirklich komplett am Anfang. Einzig die Haltbarkeit von Teilen sollten sie in den Griff bekommen. Es kann nicht sein, dass schon mehrmals einfach die Aufhängung gebrochen ist und die Bremsen gefühlt nach zwei Runden in Flammen stehen.
Wenn ich vom Schlusslicht rede, galt das zumindest bis Ungarn für alle Autos außer Aston Martin. Das Team mit der neuesten Fabrik, dem besten Designer aller Zeiten fuhr bisher nur hinterher. Es ist irgendwie lustig und traurig zugleich. Honda kriegt es mal wieder nicht hin, wie 2015, auf Anhieb einen konkurrenzfähigen Motor zu bauen. Aber diesmal war es ja sogar so schlimm, dass die Fahrer wegen Vibrationen nicht mehr als 15 Minuten fahren konnten. Das Problem konnte dann doch relativ schnell gelöst werden, dennoch ist es auch ein Armutszeugnis. Mit dem Update in Ungarn ging es endlich ein wenig nach vorne, aber von dem Ziel einer Weltmeisterschaft sind Fernando Alonso gemeinsam mit Teamboss Lawrence Stroll aktuell sehr weit entfernt.

Das ist also meine Einschätzung zur aktuellen Lage der Formel 1. Ab morgen geht es dann wieder los in Zandvoort inklusive Sprint-Rennen. Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

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